Washington Square von Henry James

Um es gleich vorweg zu sagen: Von Henry James kommt man nicht mehr los. Mein #JamesFever begann mit Die Kostbarkeiten von Poyton. Als der letzte Satz gelesen war, klappte ich das Buch zu und atmete tief durch. Obwohl ich viel lese, hatte der Roman eine Herausforderung dargestellt: Wenig Handlung. Die Sätze lang, mäandernd. Und doch! Der berühmte James’sche Zauber hatte gewirkt. Wenig später fand ich mich mit Washington Square in Händen wieder.

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  • Kleines Autorenportrait von Iwan Turgenjew

    Weiter geht es mit meiner kleinen Reihe über die russische Literatur. Auf Russland eingestimmt, bin ich allemal. Während ich diese Zeilen tippe, stecke ich noch tief in der Lektüre des Romans »Ein Gentleman in Moskau« des amerikanischen Schriftsteller Amor Towles und nebenher spielen die Klavierstücke von Rachmaninow, die derart hartnäckige Ohrwürmer bilden, dass ich befürchte die Melodien niemals wieder aus dem Kopf zu bekommen. Im Zentrum dieses Artikel steht jedoch ein anderer Herr: Iwan Turgenjew.

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  • Sprach(GEWALT)ig: Louis & Leyshon

    Im Herzen der Gewalt aus der Feder des jungen französischen Schriftsteller Édouard Louis und Die Farbe von Milch der britischen Dramatikerin und Autorin Nell Leyshon sind keine Bücher, mit denen man es sich lauschig macht. Beide Romane erzählen alptraumhafte Geschichten. Dennoch gehören sie zu jenen Büchern, die in den vergangenen Wochen den größten Eindruck auf mich gemacht haben. Das lag vor allem an einem: Ihrer Literarizität.

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  • Rezension | Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore I ~ Eine Idee erscheint

    Was für ein großes Geschenk es ist sich, in den (unendlichen Weiten) des Internets, mit Literatur beschäftigen zu dürfen, verdeutlichte mir vergangene Woche ein großer brauner Umschlag, der in meinem Briefkasten steckte. Der Absender war der DuMont Buchverlag und darin der erste Band des neuen Romans von Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint. Mit einer Woche Vorsprung begann für mich das allseits langersehnte #MurakamiLesen.

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  • Kleines Autorenportrait von Nikolai Gogol

    Ein Psychoanalytiker hätte an Nikolai Gogol seine helle Freude gehabt. Es sollte das Adjektiv gogolesk geben. Von allen russischen Schriftstellern ist mir Nikolai Gogol der rätselhafteste. Seinen Freunden galt Gogol als merkwürdig, wunderlich und mitunter auch schwierig. Gogols Leben in drei knappen Worten: Literatur, Ruhm und der Teufel. Erl ist ein Mysterium, ist selbst ein »ungelöstes Rätsel«, wie der russische Philosoph Berdjajew das Werk des Erzählers, das heute zur großen Weltliteratur zählt, nennt.

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  • Olga von
    Bernhard Schlink

    Lang ersehnt, steht er nun endlich in den Regalen: Der neue Roman von Bernhard Schlink. In Olga erzählt Bernhard Schlink die Geschichte einer starken Frau und einer großen Liebe. Schlinks Hauptfigur Olga ist klug und äußerst wissbegierig. Anders als andere junge Frauen, hat sie nicht nur Mode und Männer im Kopf. Statt von Kleidern, träumt sie von Bildung. Und von Reisen nach Paris und London, »Städte, über die sie in Meyers Konversationslexikon gelesen hatte« (S.29). Das Schicksal jedoch meint es nicht allzu gut mit ihr.

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  • Die Kostbarkeiten von Poynton von Henry James

    Ein geschmackloses Souvenir, eine profane Wandbekleidung, ein stilloses Möbel. Alles Unästhetische vermag Adela Gereth, eine der Hauptfiguren aus Henry James‘ »Die Kostbarkeiten von Poynton« seelische Pein und beinahe körperliche Schmerzen zu verursachen. Ihr Besuch bei den Brigstocks in Waterbath gleicht deshalb dem Durchschreiten der von Dante beschriebenen Vorhölle und aller neun Höllenkreise. »Das Haus war absonderlicherweise voller Souvenirs von Orten, die sogar noch hässlicher waren als das Haus selbst, und von Dingen, die zu vergessen eine Frage der Pietät gewesen wäre.« (S.9) Die ästhetische Katastrophe bewegt Adela Gereth noch vor dem Frühstück

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  • Zu Weihnachten ein Buch!
    Oder zwei oder drei!

    »Du liest komische Bücher«, bemerkte vor vielen Weihnachten eine Freundin, ihr Weihnachtsgeschenk skeptisch in den Händen haltend. Ich hatte ihr »Die Kameliendame« von Alexandre Dumas geschenkt. Ein kleines-großes Stück Literaturgeschichte, das mich wenige Wochen zuvor hat Rotz und Wasser heulen lassen. Ein Buch zu verschenken ist, stellte ich fest, ein Wagnis. Überall dort, wo Bücher um die Gunst eines Nachbesitzers buhlen, in Antiquariaten und auf Flohmärkten, lässt sich der Beweis leicht finden. An diesen Orten tummeln sich unzählige Bücher mit persönlichen (und sehr persönlichen) Widmungen und so manch ein (indiskreter) Buchrücken

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  • Leere Herzen von Juli Zeh

    In Leere Herzen von Juli Zeh ist die Demokratie in Deutschland passé. Die „Besorgte-Bürger-Bewegung“ regiert das Land, die EU zerfällt, die Nato ebenfalls. Eine Zeit, in der das Unternehmen  von Britta und ihrem Geschäftspartner Babak floriert. Es trägt den harmlosen Namen „Die Brücke“, scheint an Misanthropie und Perversion jedoch schwerlich zu überbieten zu sein: Das Projekt macht aus dem internationalen Terrorismus und seinen »amokartigen Aktionen« eine buchbare Dienstleistung. Per App, mit Hilfe eines Algorithmus‘,  werden geeignete (sprich selbstmordgefährdete) Anwärter rekrutiert. Gezielte Auswahl, gezieltes Training, garantierter Erfolg. Mit diesem Geschäftsmodell – aus

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  • Tyll von Daniel Kehlmann

    In seinem Roman Tyll versetzt Daniel Kehlmann die Figur des berühmten und legendären Narren und Spaßmachers Tyll Ulenspiegel – besser bekannt als Till Eulenspiegel – in das frühe 17. Jahrhundert; mitten hinein also in die Frühe Neuzeit und die grässlichen Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Kehlmanns »Tyll« – Spaßmacher oder Soziopath? Da stand er und lachte. Den Leib zurück gebogen, den Mund weit aufgerissen, mit zuckenden Schultern. Nur seine Füße standen ruhig, und seine Hüften schwangen mit dem Schaukeln des Seils. Bereits das erste Kapitel von Tyll hat mich in seinen Bann gezogen. Die ersten Sätze wirken beschwörend,

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  • Die Maske des Dimitrios
    von Eric Ambler

    Der Name Eric Ambler ist gleichbedeutend mit Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Nach Topkapi habe ich nun den Thriller Die Maske des Dimitrios aus der Feder des britischen Schriftstellers gelesen und dabei ein ganz neues Genre für mich entdeckt: Den Spionage-Thriller! Die Maske des Dimitrios 1938 Istanbul, Türkei. Um dem eher ungemütlichen Herbst in der Heimat zu entfliehen, beschließt der britische Schriftsteller Charles Latimer die kalten Monate des Jahres in der türkischen Metropole am Bosporus zu verbringen. Auf einer Party lernt er den Chef der türkischen Geheimpolizei

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  • Buchtipps
    von Ernest Hemingway

    Die Suche nach James Joyce‘ Dubliners führte mich von Buchhandlung zu Buchhandlung. Dort gab es Büchertische voller Neuerscheinungen, voller Neuausgaben. Unendlich viel Lesestoff. Es juckte mich in den Fingern. Doch das gewünschte Buch war nirgends vorrätig. Warum es unbedingt Dubliners sein sollte? Es steht auf der Liste mit Buchtipps von Ernest Hemingway!   Ernest Hemingways handgeschriebene Buchtipps »Nächste Woche fahre ich für eine Woche nach Rom. Allein. Können Sie mir ein Buch empfehlen? Etwas wie Eat Pray Love?«, hörte ich den jungen Mann die Buchhändlerin fragen. Das Motiv der Reise sollte unbedingt enthalten sein.

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  • Badewanne oder Daybed?
    Wo lest ihr?

    Ein kleines Café. Der Sessel gemütlich, das Stimmengewirr leise. Auf dem Tisch vor mir dampft ein Kaffee. Daneben liegt mein Buch. Patricia Highsmith, Venedig kann sehr kalt sein. Aufgeschlagen, aber ungelesen. Der Mann, der mir gegenüber sitzt, liest. Ohne aufzublicken, Seite um Seite. Ich beneide ihn fast. Lesen im Kaffeehaus ist ein Kunststück, das mir selten gelingt. Das Café, der perfekte Ort zum Lesen? An der Bushaltestelle, auf dem Bahnsteig, in der Bahn, im Wartezimmer, am Strand. Während einer Familienfeier und zum großen Missfallen der restlichen Verwandtschaft? In der Badewanne. Es gibt

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  • Romeo oder Julia von Gerhard Falkner

    Gerhard Falkner ist von Hause aus Lyriker. Sein Roman »Romeo oder Julia« ist für den Deutschen Buchpreis nominiert, der morgen verliehen wird. »Romeo oder Julia« – der Roman ist anders und etwas speziell. Worum geht es in Romeo oder Julia? Der Schriftsteller Kurt Prinzhorn reist nach Innsbruck, dort ist er zu einem Schriftstellertreffen eingeladen. Ihm widerfährt Merkwürdiges: Jemand muss in seiner Abwesenheit ein Schaumbad in der Badewanne seines Hotelzimmers genommen haben, denn dort findet Prinzhorn „lange schwarze Haare“. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Dann verschwindet

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  • In Prousts Welt

    Zwischen den Seiten eines betagten Buches findet sich mitunter Erstaunliches. Alte Postkarten, vergessene Lesezeichen. In einer raren Ausgabe von In Swanns Welt aus der Feder von Marcel Proust wurden verschollene Briefe des Schriftstellers entdeckt. Der Inhalt dieser Schriftstücke enthüllt Sensationelles. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit   Als ich den letzten Band des großen Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (fr. À la recherche du temps perdu) zuklappte, überkam mich ein wenig Wehmut. Wie ein Bergsteiger, der gerade den höchsten Gipfel erklommen hat und in dessen Freude über das Erreichen

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  • Spannende & literarische Bücher für den Herbst

    Ich liebe (altmodische) Krimis. Krimis ohne schauderhafte Folterszenen, ohne viel Mord und Totschlag. Klassische Whodunits eben. Diese Leidenschaft habe ich von meiner Mutter. Und meine Mutter hat sie von ihrer Mutter. Spannend, aber auch sehr literarisch, geht es in Der Monddiamant von Wilkie Collins und in Thérèse Raquin von Émile Zola zu. Der Monddiamant wurde 1868 veröffentlicht und war meine erste Begegnung mit Wilkie Collins, der, ganz nebenbei bemerkt, ein guter Freund von Charles Dickens war. Man sagt, Collins Romane hätten das Genre des Krimis erst begründet. Seine Bücher sind

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  • Sag nicht, wir hätten gar nichts von Madeleine Thien

    In »Sag nicht, wir hätten gar nichts« spannt Madeleine Thien den Bogen vom China der 1940er Jahre bis in unsere Zeit. Im Zentrum stehen zwei eng miteinander verbundene Musikerfamilien und ihr, mit den politischen Wirren des Landes verwebtes, Schicksal. Die Schriftstellerin Madeleine Thien wurde 1974 in Vancouver geboren. Ihre Eltern waren in den 60er Jahren nach Kanada ausgewandert. Thien studierte Creative Writing an der University of British Columbia und schloss das Studium mit einem Master of Arts ab. Der literarische Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bald gewann Thien erste

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  • Die Kieferninseln
    von Marion Poschmann

    Marion Poschmanns Roman »Die Kieferninseln« (Suhrkamp Verlag) hat es auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises geschafft. Es ist der erste Roman, den ich von der diesjährigen Shortlist lese, aber es zeichnet sich ab: Die Jury wird es schwer haben. Im Klappentext heißt: „Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintoismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?“ Treffend! Aber keine Bange: Wer will, kann unendliche viele Fragen an Die Kieferninseln stellen. Wer das

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  • Topkapi von Eric Ambler

    Die Romane des britischen Schriftstellers Eric Ambler, Jahrgang 1909, sind so spannend und subtil wie die Filme von Alfred Hitchcock. Bei Hoffmann und Campe ist der Roman/Spionagethriller »Topkapi« (1962) jetzt in gebundener Ausgabe wieder erhältlich. Als ich Topkapi zu lesen begann, war zum Glück Wochenende: Das Buch ist ein absoluter Pageturner. Irgendwann mitten in der Nacht war ich wie von Zauberhand auf der letzten Seite angekommen. Topkapi ist, wie es sich für einen Roman aus der Feder des »besten aller Thrillerautoren« (Graham Greene) gehört, spannend von der ersten bis zur

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