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Paul Auster 4321 Buchkritik

Wie war es? Und wie hätte es sein können? Paul Auster erzählt in seinem neuen Roman 4321, der unlängst im Rowohlt Verlag erschienen ist, die Lebensgeschichte von Archibald Ferguson. Genauer: Archies Leben in vier verschiedenen Varianten. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen könnte. Alles könnte anders sein. 


Buchkritik Paul Auster 4321


Die Literatur und das Schreiben, die Stadt New York, Zufälle, die das Leben in seinen Grundfesten erschüttern. All das sind wiederkehrende Themen in den Büchern von Paul Auster und Leitmotive, die sich auch in 4321 finden. Auster erzählt von der Kindheit seines jungen Helden, seiner Jugend und seinen frühen Erwachsenenjahren. Gleichzeitig begleitet der Leser den Protagonisten durch das Amerika der 50er und 60er Jahre. Große historische Ereignisse wie etwa die Invasion in der Schweinebucht oder das Kennedy-Attentat stehen gleichwertig neben persönlichen Ereignissen in Archies Lebens. 

Mal ist Archie ein altkluger Junge, mal leidet und quält er sich durch seine Jugend. Er liest viel, Homers Odyssee oder auch Stevensons Dr. Jekyll und Mr. HydeMal kommen seine Eltern zu beachtlichem Wohlstand, mal lassen sie sich scheiden. Immer ist es ein Ereignis, das alles verändert, das dem Leben des Protagonisten eine gänzlich neue Richtung gibt. 4321 erfodert Konzentration auf Seiten des Lesers. Dabei folgt der Roman einer festen Konstruktion, die es dem Leser ermöglicht den Überblick zu behalten. Der Roman hat ingesamt 7 Kapitel, die jeweils 4 Unterkapitel haben. Eines für jede Variante von Archies Leben. Achtung, ein kleiner Spoiler: Aus 4 Varianten werden sehr schnell 3, denn während eines Gewitters wagt sich der junge Archie unter einen Baum und wird von einem Ast erschlagen. Eine leere Seite markiert im weiteren Roman diesen abrupt geendeten Lebensweg Archies. 

4321 ist mehr als sein Plot. Der Roman will gelesen werden, weil er Literatur ist, weil er ein Kunstwerk ist, nicht weil er "nur" mit einer Knaller-Story aufwartet. Ist 4321 ein Familienepos? Ein Bildungsroman? Eine postmoderne Biographie? Ein neues Genre etwa? Auster, einer der großen zeitgenössische Schriftsteller, erzählt mit nahezu epischer Gelassenheit, die fast 1300 Seiten merkt man nicht, denn die Lesezeit vergeht wie im Flug. Dennoch ist 4321 ein Roman, den man sacken lassen muss. Ein großes Werk! Austers Opus magnum, wird gemunkelt.



Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexempler!