Ein Klassiker in neuem Gewand: Edgar Allan Poe ~ Unheimliche Geschichten

It was many and many a year ago, in a kingdom by the sea ... Proust hat ihn geschätzt, Nabokov ebenfalls. Und natürlich Baudelaire: Edgar Allan Poe. Der amerikanische Schriftsteller gilt als Meister der short story. Und seine Gedichte! Ich, die ich nie recht einen Zugang zur Poesie gefunden habe, liebe das Gedicht Annabel Lee (Humbert Humbert lässt grüßen!), aus dem die obige Zeile stammt, sehr. Edgar Allan Poe darf in keiner wohlsortierten Büchersammlung fehlen. Der dtv Verlag macht nun allen Fans und solchen, die es noch werden wollen, ein besonderes Geschenk: Eine 5-bändige Edgar Allen Poe Ausgabe, die das Herz eines jedes Bibliophilen höher schlagen lassen muss, wird nun nach und nach erscheinen. Ich durfte einen Blick in Band 1 werden: Unheimliche Geschichten ...

Neuübersetzung Poe Unheimliche Geschichten Andreas Nohl dtv Verlag




Poe's (spannendes) Leben in aller Kürze 

Das Leben von Poe selbst war ebenso gruesome wie seine Geschichten. "Was für eine beklagenswerte Tragödie ist das Leben Edgar Poes! Und erst sein Tod, der schreckliche Ausgang, dessen Schrecken durch die Trivialität noch gesteigert wird!", schrieb Baudelaire (Anhang, S.353). 1809, mit Poes Geburt in Boston, nahm die schauerliche Geschichte ihren Lauf. Der Vater verließ die Familie früh, die Mutter starb als Poe noch im Kleinkindalter war. Universität, Militärakademie: Poe scheiterte. Sein periodischer Alkoholismus ("seine Alkoholfahne, die sich jederzeit an einer Kerzenflamme hätte entzünden können" Anhang, S. 354) brachte ihn ein ums andere Mal zu Fall. Die heutige Klatschpresse jedoch hätte ihn und seine Herzblattgeschichten geliebt. Kabale und Liebe at it's best. Poe verliebte sich (und heiratete) seine 13-jährige (Humbert Humbert grüßt erneut!) Cousine Virginia Clemm. Poe selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits 27 Jahre alt. Aus der trauten (und pädophilen) Zweisamkeit wurde eine Dreiecksbeziehung und schließlich eine Vierecksbeziehung. Das Trümmerfeld gebrochener Herzen war vorprogrammiert. Lest das mal nach, interessant! Beruflich wagte Poe als einer der ersten in den USA die Existenz als freier Schriftsteller. Ein hartes Brot, denn Verleger wollten zwar verlegen, jedoch nicht zahlen. Poes Tod, ein Fall für Aktenzeichen XY ... ungelöst oder Medical Detectives: Am 3. Oktober 1849 wurde der Schriftsteller in Baltimore in vollkommen verwirrtem Zustand aufgefunden, am 7. Oktober - erst vierzigjährig - starb Poe im Krankenhaus. 


Neuübersetzung Poe Unheimliche Geschichten Andreas Nohl dtv Verlag


Das Besondere an Poes Werk

Detektivgeschichten, wer liebt sie nicht? Als ihr Erfinder gilt Poe. Der Doppelmord in der Rue Morgue ist die erste von drei Kurzgeschichten in deren Mittelpunkt der Detektiv C. Auguste Dupin steht. Immer vermischt Poe das Groteskte mit dem Grauenvollen, das Unheimliche mit dem Übersinnlichen. Er lotet die arachischen Ängste des menschlichen Wesen aus und sein Scharfsinn ist ohne gleichen. Selbst die Rezeptionsgeschichte seiner Werke ist spannend! Die Geschichte Der entwendete Brief wurde beispielsweise zum Gegenstand einer literaturtheoretischen Auseinandersetzung zwischen Jacques Lacan und Jacques Derrida


Die neue Ausgabe des dtv Verlag

Der deutsche Übersetzer, Kritiker und Schrifsteller Andreas Nohl hat das Werk es amerikanischen Dichters neu ins Deutsche übertragen. Im ersten Band enthalten sind, neben vielen anderen, die besagten Erzählungen Der Doppelmord in der Rue Morgue und Der entwendete Brief. Neben der grandiosen neuen Übersetzung (und natürlich dem Genie von Poe) ist es die bibliophile Ausstattung, die diese Ausgabe aus- und besonders macht.  Der Schutzumschlag ist transparent und der Princesse-Leinenbezug besitzt eine Prägung (zwischen Umschlag und Leinenbezug etwas zu entdecken!). Das Papier ist so hochwertig, das es eine wahre Freude ist in dem Band zu blättern. Das Schriftbild rundet das Gesamtbild ab. Dass Charles Baudelaire - der große französische Lyriker (Les Fleurs du Mal) als Herausgeber angegeben wird - muss jedem Literaturliebhaber das Herz aufgehen. Tatsächlich entdeckte Baudelaire Poe (und auch die Musik von Richard Wagner) und verhalf ihm mit seiner Übersetzung zu Weltruhm. Wer mehr über Poe & Baudelaire wissen möchte: Hier geht es zu einem spannenden Artikel zu Baudelaire und Poe, der in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen ist.

Habt ihr eine Lieblingsstory von Poe?






Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar! 

EUR 28,00 € [DE], EUR 28,80 € [A]
dtv LiteraturAus dem amerikanischen Englisch von Andreas Nohl424 Seiten, ISBN 978-3-423-28118-8 

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