Rezension: Lästige Liebe von Elena Ferrante



"Lästige Liebe", ein Buch, das ich, kaum hatte ich es mit einem Seufzer der Erleichterung zugeschlagen, noch einmal von vorne lesen wollte. Elena Ferrantes Debütroman ist ein schweres, ein hartes Buch. Ein Buch, das den Leser zu erschüttern vermag. Ferrante erzählt darin eine Geschichte von (falscher) Erinnerung und Schuld.

Delia, Ferrantes Erzählerin in "Lästige Liebe" reist von Rom nach Neapel um ihre Mutter Amalia zu beerdigen, die Tage zuvor im Meer ertrunken ist. Neapel gleicht - wie auch später in Ferrantes mittlerweile berühmten "Neapolitanischen Saga" um Lenú und Lila - einem Moloch: Durchzogen von mafiösen Strukturen und von Testosteron triefend. Männer, die Obszönitäten flüstern, zischen und schreien. Frauen, die nur Körper, nur Objekte sind. Väter, Ehemänner, Fremde, die toben, schlagen. Frauenkörper, die bluten. Kleider, die verhüllen, entblößen und verwandeln.

Die Geschichte ist ganz aus der Perspektive von Delia erzählt, man kann nicht anders als Neapel durch ihre Augen wahrzunehmen, gefiltert durch ihre Gefühle, gefärbt durch ihre Erinnerungen. Die Satzstruktur ist manchmal sperrig, ruppig, obwohl in Ferrantes klarer Sprache geschrieben (und grandios übersetzt von Karin Krieger). Seite um Seite finden sich Bilder, Szenen, Sätze, die reich an Bedeutung sind, die sich dem Leser jedoch erst mit dem Lesen der letzten Seiten vollständig erschließen.

Nahm Amalia sich das Leben? Wurde sie ermordet? War es ein Unfall? Welche Rolle spielt Caserta, welche ihr Ex-Mann) Delia sucht nach der Wahrheit ist hart, ihre Erkenntnis am Ende der Erzählung umso mehr. Der Klappentext der frisch im Suhrkamp Verlag erschienen deutschen Erstausgabe von Ferrantes "Lästige Liebe" weist in auf Italienische bereits 1992 erschienen Debütroman als "psychologisches Meisterwerk von schwindelerregender Genauigkeit" aus. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Vielen Dank an den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar.  

Lästige Liebe von Elena Ferrante
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen.
206 Seiten. 22 Euro.