Das Leben ist gut von Alex Capus

Alex Capus‘ Roman Léon und Luise (Hanser 2011) liebe ich heiß und innig. Für mich gehört Capus in die Riege der talentiertesten Erzähler unserer Zeit. Seine Geschichten sind oft (ein wenig) melancholisch, aber auch mindestens genauso amüsant. Seine Sprache ist einfach und klar, aber sie hat einen unvergleichen Charme. Und sein Witz ist unschlagbar! Unlängst ist sein neuer Roman Das Leben ist gut* im Hanser Verlag erschienen und hat mir – es war nicht anders zu erwarten – ein herrliches Lesevergnügen beschert …

ktinka.com | Alex Capus - Das Leben ist gut

Max ist ein außerordentlich erfolgreicher Schriftsteller und außerdem Inhaber einer Kneipe in einem kleinen Schweizer Örtchen. Seit 25 Jahren ist er mit Tina verheiratet. Nun ist Tina beruflich in Paris unterwegs. Max bleibt mit den drei fast erwachsenen Söhnen daheim. An dem Ort, an dem er schon immer lebte: 

„Manchmal frage ich mich, warum wir so hartnäckig hierbleiben – was es sein mag, das uns hier hält. Nichts besonderes vermutlich. Vielleicht sind wir nur deswegen nie fortgegangen, weil der Leidensdruck nie groß genug war; im reichsten und friedlichsten Land der Welt stellt es keine allzu große Herausforderung dar, ein einigermaßen positives Lebensgefühl zu entwickeln.“

Max bringt das Altglas zum Container, repariert das Mobiliar seiner Sevilla Bar und reflektiert sein Leben. Mit Freunden, Bekannten und Nachbarn plaudert er über Gott und die Welt. Das Leben ist gut ist ein ruhiger, gemütlicher Roman. Immer wieder spült die Erzählung eine andere Figur in den Fokus. Zum Beispiel Miguel, ein Jugendfreund von Max. Miguel erzählt von einem spanischen Händler, der ihm allein mit pinker, durchscheinender Strumpfhose (was für ein Bild!) bekleidet, einen Torro, eine Stierkopftrophäe, für eine enorme Geldsumme verkauft haben will. Oder Ismail, der „jeden Tag zehn-, zwölf-, zwanzigmal an den Schaufenstern vorbeihetzt.“ Ein kleines Highlight ist auch Ferdinand und sein halbes Tattoo. Ein fertiges Tattoo hat schließlich jeder. 

Capus reiht kleine, alltäglichen Anekdoten liebevoll aneinander. Besonders mochte ich die Stellen, in denen Max seine Frau auf ganz rührende Art vermisst: „Ich lösche das Licht. Die verwaiste Hälfte des Ehebetts ist eine gähnende Leere. Ich lege mich diagonal darüber, um das Bett auszufüllen, aber so tun sich umso größere Flächen an den freien Ecken auf.“ Wenn das Buch ausgelesen ist, bleibt man zurück mit dem behaglichen und wohligen Gefühl: Das Leben ist gut! Und zwar nicht nur in New York oder Paris. Es war mir eine Freude! Die perfekte Lektüre für die ersten Herbsttage. Unbedingt lesenwert! 

Vielen Dank an den Hanser Verlag für das Rezensions Exemplar! 

Kommentare (3)

  1. Allein deine Beschreibung bringt mich schon zum lächeln 🙂 das Buch werde ich mir mal anschauen. Liebe Grüße, Paulina

  2. Klingt nach einem super Roman. Der kommt gleich auf meine Buch-Liste 😀 Danke für den Tipp.

    Liebe Grüße Martina
    http://www.kleidsam.org

  3. Wunderschön beschrieben – da habe ich jetzt richtig Lust darauf bekommen, diese offenbar wunderbaren kurzen Geschichten zu lesen. Danke für Deine Vorstellung.
    Liebe Grüße von Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

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