Zu Weihnachten ein Buch!
Oder zwei oder drei!

»Du liest komische Bücher«, bemerkte vor vielen Weihnachten eine Freundin, ihr Weihnachtsgeschenk skeptisch in den Händen haltend. Ich hatte ihr »Die Kameliendame« von Alexandre Dumas geschenkt. Ein kleines-großes Stück Literaturgeschichte, das mich wenige Wochen zuvor hat Rotz und Wasser heulen lassen. Ein Buch zu verschenken ist, stellte ich fest, ein Wagnis. Überall dort, wo Bücher um die Gunst eines Nachbesitzers buhlen, in Antiquariaten und auf Flohmärkten, lässt sich der Beweis leicht finden. An diesen Orten tummeln sich unzählige Bücher mit persönlichen (und sehr persönlichen) Widmungen und so manch ein (indiskreter) Buchrücken verrät: Das Buch wurde nie gelesen.

»Weiße Nächte« von Dostojewski ist eines meiner Lieblingsbücher und meine Ausgabe, ein hübsches kleines Insel-Taschenbuch, war, das verrät die in goldener Schrift gehaltene Widmung, ein Weihnachtsgeschenk: »Fröhliche Weihnachten 2003 wünscht dir der Weihnachtsmann, i.A. Martina.« Während ich mit meiner »Kamiliendame« grandios gescheitert war, lag Martina – im Auftrag des Weihnachtsmanns, so zauberhaft! – goldrichtig mit ihrer Geschenkauswahl.

Für alle, die in diesem Jahr tollkühn und wagemutig ein Buch zu Weihnachten verschenken wollen, habe ich vier Bücher ausgewählt, die mir in meinem Lesejahr 2017 – aus unterschiedlichen Gründen – am allerallerallerbesten gefallen haben:

 

Deszö Kosztolányi – Nero (Rowohlt Verlag, 24 Euro)

Ein Künstlerroman über einen der wohl prominentesten römischen Kaiser: Nero. Deszö Kosztolányi war, obgleich schon lange verstorben, eine Neuentdeckung für mich. Dass der Rowohlt Verlag seinen Roman Nero« in einer (wunderschönen) Ausgabe wieder neu aufgelegt hat, ist großartig. Obacht: »Nero« ist kein Sachbuch! Wer gesicherte historische Fakten erwartet, wird enttäuscht werden. Ich würde den Roman für Rom-Liebhabern, Antike-Interessierten und/oder Lesern, die wohl komponierte Sätze mögen, ans Herz legen. Ausführlich habe ich »Nero« hier besprochen.

 

Eric Amber – Topkapi (Hoffmann & Campe, 22 Euro)

»Topkapi« ist ein herrlich spitzbübischer Thriller, der mich um den Schlaf gebracht hat. Mittlerweile habe ich zwei weitere Bücher aus der Feder von Eric Ambler gelesen »Die Maske des Dimitrios« und »Mit der Zeit«, »Topkapi« jedoch ist mein Favorit. Der Erzähler ist ein gewiefter Bursche, der in einen Coup hinein gerät, der um ein Vielfaches zu groß für ihn ist. Wer Krimis von Agatha Christie und Martha Grimes mag und alte Hollywood Streifen á la Alfred Hitchcock, der wird sicher auch an dieser verschrobenen, aber grandios inszenierten und erzählten Geschichte Freude haben. Rezensiert habe ich den Roman hier.

Graham Swift – Ein Festtag (dtv Verlag, 18 Euro)

Über Graham Swifts »Ein Festtag« habe ich viele und höchst unterschiedliche Meinungen gelesen. Vielen Lesern gefiel die spärliche Handlung nicht, anderen war der Roman zu sexualisiert und in dieser Hinsicht an manchen Stellen auch zu explizit. Wieder andere fanden den Roman, der die Geschichte einer jungen Schriftstellerin erzählt, grandios. Zu letzteren zähle ich. Ich war von der ersten Seite an begeistert. Den Plot fand ich nachrangig, mich hat die Narration begeistert. Wer Romane wie »Abbitte« oder »Nussschale« von Ian McEwan mag, der wird sicher auch »Ein Festtag« mögen. Hier geht zu meinem Lobgesang auf den Roman.

Graham Swift - Ein Festtag

Daniel Kehlmann – Tyll (Rowohlt Verlag, 22,95 Euro)

»Tyll« aus der Feder von Daniel Kehlmann war in den vergangenen Monaten in aller Munde. Schon die erste Seite des Romans hat mich gebannt und so manches Bild, das Kehlmann in seinem Anti-Schelmenroman malt, lässt mich bis heute nicht los. Für wen mag »Tyll« das richtige Buch sein? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Für Leser, die eine klare und poetische Sprache schätzen. Kehlmann entführt auf so melodische und eindringliche Weise in die Zeit (und die Wirren) des Dreißig jährigen Krieges, das die kleine historische Ungenauigkeit – Till Eulenspiegel lebte, so er denn lebte – bereits einige Jahrhunderte zuvor, nicht stört, sondern im Gegenteil recht schelmisch wirkt. In anderen Worten: Hier geht es zu meiner Rezension von »Tyll«.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Für meine Tipps gilt: Ohne Gewähr! Verratet ihr mir eure diesjährigen Favoriten?

Author: Katharina Siekmann

Katharinas Steckenpferd ist die Literatur. Auf ktinka.com schreibt sie über Klassiker der Literatur und stellt literarische Neuerscheinungen vor.

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