Wie man es vermasselt von George Watsky

Niemand kann so schnell sprechen (oder rappen) wie George Watsky. Mit sechs Worten pro Sekunde kann der US-Amerikaner sein Gegenüber in Grund und Boden reden/rappen. Für alle, die es in Sachen Worten und Literatur gemächlicher mögen, gibt es Watsky nun in Buchform. »Wie man es vermasselt« ist in diesem Monat bei Diogenes erschienen.

In den USA ist Watskys erstes Buch How to ruin everything bereits ein Bestseller und Watsky selbst ein Star. Er ist Hip Hopper. Ein (preisgekrönter) Poetry Slammer. Außerdem Schauspieler, Dramatiker und Lyriker. Kurz: George Watsky ist ein riesiges Talent. Wie man es vermasselt enthält 13 Stories. Watsky schreibt über das Leben. Über Flughafenrestaurants, über Freundschaft, über kleine Triumphe und das große Scheitern. Und als hätte G.E. Lessing ihm ins Ohr geflüstert: „Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.“, fliest der Text dahin. Man liest und liest. Wer Watskys millionenfach angeklickte Videos im Netz kennt und die Nase in Wie man es vermasselt steckt, der sieht Watsky vor sich, wie er leibt und lebt. Unweigerlich hat man beim Lesen seine Stimme im Ohr.
Neuerscheinung | Rezension | George Watsky | Wie man es vermasselt | Diogenes

Das Erzähltempo der Geschichten ist schnell. Die Stories selbst sind witzig. Mitunter sarkastisch. Und hin und wieder auch brutal ehrlich. Watsky erzählt von Dingen, die nur selten Platz in Büchern finden. Von epileptischen Anfällen etwa und den alltäglichen Gegenständen, die bei solch (in der Regel ungefährlichen) Anfällen, zu Gefahrenquellen werden:

Harte Dinge, hohe Dinge, nasse Dinge – alles hinterhältige Mörder. Eine ganz besondere Feindschaft pflege ich mich Badewannen, sie sind nämlich hart und nass. Emaillesärge sind das! Eine Zeitlang lasse ich die Badezimmertür immer einen Spalt offen, wenn ich bade, damit meine Eltern mir sofort zur Hilfe eilen können, falls auf einmal hektisches Planschen und Spritzen zu hören sein sollte. Irgendwann steige ich ganz aufs Duschen um.

In der Story „Guter Fang!“ erzählt Watsky retrospektiv von einem kuriosen Angelausflug und seinen, ebenso nerdigen wie bizarren, Bemühungen einem ihm völlig Unbekannten im Flugzeug durch geschicktes Umsetzen der Passagiere rundherum, genügend Freiraum für einen One-Night-Stand zu ermöglichen:

Ich war stolz auf meine perfekte Lösung: Ich würde Zach loswerden und er seine Alte bekommen. Meine moralischen Skrupel zerstreute ich mit dem Gedanken, dass ich damit dem alten Ehepaar half. Wer weiß, wie oft die beiden noch miteinander fliegen können?

Wie sagt der Amerikaner? Hilarious. Jenny Merling, die das Buch ins Deutsche übersetzt hat, hat übrigens großartige Arbeit geleistet. Auch im Deutschen büßen Watskys Geschichten nichts von ihrer Coolness ein.

Kennt ihr George Watsky schon? Habt ihr eine Lieblingsstory?

WIE MAN ES VERMASSELT von GEORGE WATSKY

Erschienen bei DIOGENES. 22 Euro.
Leinenband mit Schutzumschlag.

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Vorabexemplar.

Author: Katharina Siekmann

Katharinas Steckenpferd ist die Literatur. Auf ktinka.com schreibt sie über Klassiker der Literatur und stellt literarische Neuerscheinungen vor.

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