Vier Kurzrezensionen zu Romanen, die in den vergangenen Wochen auf meinem Schreibtisch gelandet sind: »Der restliche Sommer« von Max Scharnigg, »Die Lichter unter uns« von Verena Carl, »Der Zopf« von Laetitia Colombani und »So sprach Achill« von Alessandro Baricco. 

Der restliche Sommer von Max ScharniggDer restliche Sommer*, von Max Scharnigg (Hoffmann und Campe). Max Scharnigg schreibt Sätze, die magisch sind. Etwa wenn Pauls Kopfschmerz sich beim Schwimmen im Atlantik in »Salz und Saphir« auflöst. Poesie ohne Kitsch. Einmal angefangen, fiel es mir schwer mit dem Lesen wieder aufzuhören, so sehr zog mich das Buch in seinen Bann. Scharnigg erzählt von Paul, Sara, Tin und Sonja, deren Leben – durch die Liebe natürlich, wie könnte es anders sein – miteinander verknüpft sind. (Neu-)Anfänge, große und kleine Katastrophen und Schicksalsschläge bringen das Leben von Scharniggs Figuren gehörig durcheinander, eröffnen aber auch immer neue Perspektiven. Ein bittersüßer und lesenswerter Roman.

 

Der restliche Sommer von Max ScharniggDie Lichter unter uns*, von Verena Carl (S. Fischer). Don’t grow up, it’s a trap. Der Spruch, der im Internet Karriere gemacht hat, beschreibt im Kern das existenzialistische Drama, das Verena Carl, vor der vielleicht schönsten Kulisse der Welt, dem Ort Taormina auf Sizilien, inszeniert. Wünsche und Träume ihrer Figuren kollidieren mit der (harten) Realität. Anna, die ihres Ehealltags überdrüssig ist, trifft am Strand der beschaulichen Küstenstadt auf Alexander, der ein (scheinbar) sorgloses Leben führt. Fortan wird Alexander von Anna um dieses leichte Leben beneidet. Was die Mutter zweier Kinder jedoch nicht ahnt: Auch Alexander trägt sich mit einer Sorge, die wie ein Damoklesschwert über ihm schwebt. Auf mitreißende Art (und vor grandioser Kulisse (eigene Reiseerfahrung!)) zeigt Carl, was das passiert, wenn das Leben entgleitet und hinter jeder Entscheidung plötzlich ein großes Fragezeichen steht. Ein interessantes Interview mit Verena Carl über das Buch und weshalb die Wahl auf Taormina fiel, findet ihr hier.

 

Der Zopf von Laetitia ColombaniDer Zopf*, von Laetitia Colombani (S. Fischer). Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Marquardt. Der Roman aus der Feder der französischen Schriftstellerin Laetitia Colombani klettert derzeit auf den deutschen Bestsellerlisten in schwindelerregende Höhen. Zum Inhalt: Mit Smita, Giulia und Sarah hat Colombani drei starke Frauenfiguren erschaffen, die sich unerschrocken den (gänzlich verschiedenen)Herausforderungen und Widrigkeiten des Lebens stellen. Die Schicksale der drei Frauen sind berührend und erhebend gleichermaßen. Dennoch: Der Roman konnte, allem Lob zum Trotz, mein Herz nicht gewinnen. Geschuldet ist das, in erster Linie, der Erzählweise, die ich einfach zu seicht, zu oberflächlich und zu langweilig fand. Pardonnez-moi! 

 

So sprach Achill von Alessandro BariccoSo sprach Achill*, von Alessandro Baricco (Hoffmann und Campe). Ich brenne für den italienischen Schriftsteller, dessen Romane mich bisher immer mehr als gut unterhalten haben. »So sprach Achill« ist hier die Ausnahme von der Regel. Nach wenigen Seiten habe ich die Lektüre abgebrochen. Baricco unternimmt den Versuch Homers Epos „Ilias“ auf moderne Weise zu erzählen und verfängt sich zwischen: Zu nah am Original, jedoch nicht nah genug und zu weit entfernt vom Original, jedoch nicht weit entfernt genug. Nichtsdestoweniger: Ich freue mich auf den nächsten Baricco. Möglichst einen, in dem er seinen selbsterdachten Stoff in typischer Manier ausbreitet. Wie zuletzt in Die junge Braut.

* Die Romane wurden mir als kostenlose Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.
Meinen Dank an die Verlage!

One thought on “ Vier Bücher im April ”

Comments are closed.