Kleines Autorenportrait von Nikolai Gogol

Ein Psychoanalytiker hätte an Nikolai Gogol seine helle Freude gehabt. Es sollte das Adjektiv gogolesk geben. Von allen russischen Schriftstellern ist mir Nikolai Gogol der rätselhafteste. Seinen Freunden galt Gogol als merkwürdig, wunderlich und mitunter auch schwierig. Gogols Leben in drei knappen Worten: Literatur, Ruhm und der Teufel. Erl ist ein Mysterium, ist selbst ein »ungelöstes Rätsel«, wie der russische Philosoph Berdjajew das Werk des Erzählers, das heute zur großen Weltliteratur zählt, nennt.

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Olga von
Bernhard Schlink

Lang ersehnt, steht er nun endlich in den Regalen: Der neue Roman von Bernhard Schlink. In Olga erzählt Bernhard Schlink die Geschichte einer starken Frau und einer großen Liebe. Schlinks Hauptfigur Olga ist klug und äußerst wissbegierig. Anders als andere junge Frauen, hat sie nicht nur Mode und Männer im Kopf. Statt von Kleidern, träumt sie von Bildung. Und von Reisen nach Paris und London, »Städte, über die sie in Meyers Konversationslexikon gelesen hatte« (S.29). Das Schicksal jedoch meint es nicht allzu gut mit ihr.

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All The Light & Interview mit Schmuckdesignerin Evelina von SKUMKANTARELL

Schmuck, Schmuck! Die filigranen Schätze, die Evelina für ihr Label Skumkantarell entwirft, haben mir im Handumdrehen den Kopf verdreht. Die Glieder der Kette sind so zart, es ist traumhaft! Der Hammerschlag lässt das Licht, das auf den Anhänger fällt, wunderschön changieren. Die Kette besteht übrigens aus Sterling Silber, das mit Gelbgold plattiert wurde. Genau wie die Ohrstecker, die so minimalistisch, wie genial sind: Die „Dots“ haben eine gebrushte Oberfläche, was sie je nach Lichteinfall matt oder glänzend erscheinen lässt. Evelina entwirft und fertigt ihren Schmuck in Hamburg und die reduzierte Ästhetik ihrer Designs haben es mir so angetan, dass ich sie

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Die Kostbarkeiten von Poynton von Henry James

Ein geschmackloses Souvenir, eine profane Wandbekleidung, ein stilloses Möbel. Alles Unästhetische vermag Adela Gereth, eine der Hauptfiguren aus Henry James‘ »Die Kostbarkeiten von Poynton« seelische Pein und beinahe körperliche Schmerzen zu verursachen. Ihr Besuch bei den Brigstocks in Waterbath gleicht deshalb dem Durchschreiten der von Dante beschriebenen Vorhölle und aller neun Höllenkreise. »Das Haus war absonderlicherweise voller Souvenirs von Orten, die sogar noch hässlicher waren als das Haus selbst, und von Dingen, die zu vergessen eine Frage der Pietät gewesen wäre.« (S.9) Die ästhetische Katastrophe bewegt Adela Gereth noch vor dem Frühstück zur Flucht. Hinaus in die harmonische, vollkommene Natur: »Jeder Nerv verlangte

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Zu Weihnachten ein Buch!
Oder zwei oder drei!

»Du liest komische Bücher«, bemerkte vor vielen Weihnachten eine Freundin, ihr Weihnachtsgeschenk skeptisch in den Händen haltend. Ich hatte ihr »Die Kameliendame« von Alexandre Dumas geschenkt. Ein kleines-großes Stück Literaturgeschichte, das mich wenige Wochen zuvor hat Rotz und Wasser heulen lassen. Ein Buch zu verschenken ist, stellte ich fest, ein Wagnis. Überall dort, wo Bücher um die Gunst eines Nachbesitzers buhlen, in Antiquariaten und auf Flohmärkten, lässt sich der Beweis leicht finden. An diesen Orten tummeln sich unzählige Bücher mit persönlichen (und sehr persönlichen) Widmungen und so manch ein (indiskreter) Buchrücken verrät: Das Buch wurde nie gelesen. »Weiße Nächte« von Dostojewski

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Leere Herzen von Juli Zeh

In Leere Herzen von Juli Zeh ist die Demokratie in Deutschland passé. Die „Besorgte-Bürger-Bewegung“ regiert das Land, die EU zerfällt, die Nato ebenfalls. Eine Zeit, in der das Unternehmen  von Britta und ihrem Geschäftspartner Babak floriert. Es trägt den harmlosen Namen „Die Brücke“, scheint an Misanthropie und Perversion jedoch schwerlich zu überbieten zu sein: Das Projekt macht aus dem internationalen Terrorismus und seinen »amokartigen Aktionen« eine buchbare Dienstleistung. Per App, mit Hilfe eines Algorithmus‘,  werden geeignete (sprich selbstmordgefährdete) Anwärter rekrutiert. Gezielte Auswahl, gezieltes Training, garantierter Erfolg. Mit diesem Geschäftsmodell – aus dem Zeh in Leere Herzen über weite Strecken ein Geheimnis macht

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Tyll von Daniel Kehlmann

In seinem Roman Tyll versetzt Daniel Kehlmann die Figur des berühmten und legendären Narren und Spaßmachers Tyll Ulenspiegel – besser bekannt als Till Eulenspiegel – in das frühe 17. Jahrhundert; mitten hinein also in die Frühe Neuzeit und die grässlichen Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Kehlmanns »Tyll« – Spaßmacher oder Soziopath? Da stand er und lachte. Den Leib zurück gebogen, den Mund weit aufgerissen, mit zuckenden Schultern. Nur seine Füße standen ruhig, und seine Hüften schwangen mit dem Schaukeln des Seils. Bereits das erste Kapitel von Tyll hat mich in seinen Bann gezogen. Die ersten Sätze wirken beschwörend, fast hypnotisch: »Wir lebten in Furcht und Hoffnung und versuchten,

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Die Maske des Dimitrios
von Eric Ambler

Der Name Eric Ambler ist gleichbedeutend mit Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Nach Topkapi habe ich nun den Thriller Die Maske des Dimitrios aus der Feder des britischen Schriftstellers gelesen und dabei ein ganz neues Genre für mich entdeckt: Den Spionage-Thriller! Die Maske des Dimitrios 1938 Istanbul, Türkei. Um dem eher ungemütlichen Herbst in der Heimat zu entfliehen, beschließt der britische Schriftsteller Charles Latimer die kalten Monate des Jahres in der türkischen Metropole am Bosporus zu verbringen. Auf einer Party lernt er den Chef der türkischen Geheimpolizei Oberst Haki kennen. Latimer erfährt, dass die Leiche eines Mannes, den

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Buchtipps
von Ernest Hemingway

Die Suche nach James Joyce‘ Dubliners führte mich von Buchhandlung zu Buchhandlung. Dort gab es Büchertische voller Neuerscheinungen, voller Neuausgaben. Unendlich viel Lesestoff. Es juckte mich in den Fingern. Doch das gewünschte Buch war nirgends vorrätig. Warum es unbedingt Dubliners sein sollte? Es steht auf der Liste mit Buchtipps von Ernest Hemingway!   Ernest Hemingways handgeschriebene Buchtipps »Nächste Woche fahre ich für eine Woche nach Rom. Allein. Können Sie mir ein Buch empfehlen? Etwas wie Eat Pray Love?«, hörte ich den jungen Mann die Buchhändlerin fragen. Das Motiv der Reise sollte unbedingt enthalten sein. Eine heitere Geschichte, sollte es sein. Die Buchhändlerin gab sich

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