Topkapi von Eric Ambler

Die Romane des britischen Schriftstellers Eric Ambler, Jahrgang 1909, sind so spannend und subtil wie die Filme von Alfred Hitchcock. Bei Hoffmann und Campe ist der Roman/Spionagethriller »Topkapi« (1962) jetzt in gebundener Ausgabe wieder erhältlich.

Als ich Topkapi zu lesen begann, war zum Glück Wochenende: Das Buch ist ein absoluter Pageturner. Irgendwann mitten in der Nacht war ich wie von Zauberhand auf der letzten Seite angekommen. Topkapi ist, wie es sich für einen Roman aus der Feder des »besten aller Thrillerautoren« (Graham Greene) gehört, spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Topkapi | Eric Ambler | Spionagethriller | Roman | Hoffmann und Campe

Eric Ambler gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers. Alfred Hitchcock, Graham Greene und auch John le Carré zollen ihm großen Respekt. 1981 wurde der Brite von Queen Elizabeth II. mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet. 18 Romane schrieb Ambler ingesamt, die eine weltweite Auflage von 50 Millionen Exemplaren erreicht haben. Chapeau!

Topkapi: Wenn dem Erzähler nicht zu trauen ist

 
Wenn ein Gauner seine Geschichte erzählt, dann verspricht das in der Regel eine gute Unterhaltung. Arthur Abdel Simpson, Sohn eines britischen Vaters und einer ägyptischen Mutter, bildet keine Ausnahme. Arthur A. Simpson ist übergewichtig, gewieft und von Beruf eigentlich Journalist: „Ich war, ich bin Journalist, aber man muss leben, und in diesem Beruf ist es nicht immer leicht.“ Statt einem Scoop hinterherzujagen, haut der ansonsten gutmütige Arthur arglose Touristen übers Ohr. Sein Zubrot bringt den Gauner jedoch schon bald schwer in Bredouille. Plötzlich findet Arthur sich zwischen dem türkische Geheimdienst auf der einen, einer schwer bewaffneten Diebesbande, die einen ungeheuerlichen Coup plant, auf der andere Seite, wieder.
 
Istanbul mit seinen engen Gassen, den Moscheen und dem Topkapi-Palast, am Bosporus gelegen, bietet eine eindrucksvolle Kulisse für das Romangeschehen. Ambler ergeht sich jedoch nicht in seitenlangen Beschreibungen von Örtlichkeiten oder Bauwerken und umso intensiver wirken die Bilder nach. Ich habe fast das Gefühl, als hätte ich den Topkapi-Palast, den ehemaligen Sitz der Sultane des osmanischen Reichs, selbst besucht und sei über die weitläufige Anlage geschlendert. Geschuldet ist die dichtgestrickte Atmosphäre sicherlich Eric Ambler Neigung zu sorgfältiger Recherche.

Und plötzlich standen keine Amblers mehr im Regal …

 
Apropos Sorgfältig: Als ein englischer Verlag einen seiner Romane ohne die vorangestellte Einleitung abdruckte, sei es um Geld zu sparen, oder aus Lektoratsgründen, erstritt Eric Ambler, Jahrgang 1909, alle Rechte an seinen Werken zurück. Für geraume Zeit verschwanden langsam aber sicher alle Romane Amblers aus den englischen Buchläden und seine Leser saßen auf dem Trockenen.

Dem Verlag Hoffmann und Campe sei Dank gilt das nicht für deutsche Ambler Leser. Im letzten Jahr erschien »Die Maske des Dimitrios« und im nächsten Jahr wird »Schirmers Erbschaft« erscheinen. Hier geht zu allen bei Hoffmann und Campe verfügbaren und demnächst erscheinenden Ambler Romanen. Topkapi war meiner erster, aber sicherlich nicht mein letzter Ambler!

TOPKAPI von ERIC AMBLER
Hoffmann und Campe. 320 Seiten. 22 Euro.
Gebunden mit Schutzumschlag.

Vielen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Kommentar (1)

  1. Hallo Katharina,

    mir geht es mit Ambler ebenso: Topkapi war die erste Begegnung mit ihm. Und gleich eine so gute! Wie der kleine Betrüger sich mit den viel zu großen Gaunern anlegt und es richtig mit der Angst zu tun bekommt, das war fabelhaft geschrieben.
    Ich bin jemand, der ohnehin sehr grlücklich darüber ist, dass viele der Genre-Klassiker von den Verlagen gerade wiederentdeckt werden.

    Sonnige Grüße,
    Bettina

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